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ZeitRäume kreieren
Zum Sprachkolorit im Geschichtscomic

Alexander Horn (Kiel)

In Erinnerung an meinen Vater,
der mir meine ersten Mosaiks jeden Monat am Kiosk kaufte

Weshalb verstehen sich Comic-Figuren jederzeit und überall?

Folgende Frage einer Leserin war im August-Heft 2019 der Comic-Zeitschrift Mosaik zu lesen:

»[V]erlernen die Abrafaxe eigentlich die Sprache aus der vorigen Zeitreise, wenn sie wieder einen Zeitsprung machen und wenn sie innerhalb einer Zeitreise das Land wechseln, können sie dann automatisch auch die Sprache dieses Landes?« (M 524, 28)1

Die Frage scheint berechtigt, da die Abrafaxe als Hauptakteure zwischen verschiedenen Ländern und Zeiten hin- und herreisen und sich jeweils problemlos mit den Personen, auf die sie während ihrer Reisen treffen, verständigen können. Sprachliche Kommunikation stellt hier, wie auch im Comic allgemein, in der Regel nie ein Problem dar. Die verschiedenen Akteure sprechen stets die Sprache des Landes, in dem sie sich gerade aufhalten. Gelegentlich gibt es fremdsprachige Signalwörter und Namen, die auf ein bestimmtes Land bzw. dessen Sprache verweisen.2 Auch gelingen fremdsprachige Lektüren selbstverständlich mühelos.

Die beiden folgenden Beispiele zeigen jeweils Panels, in denen Ausschnitte englischsprachiger Zeitungen abgebildet sind.3 Die Kommunikation über die Zeitungsartikel erfolgt jedoch in deutscher Sprache. Die Diskrepanz, dass die Figuren, unabhängig davon, über welche Muttersprache sie verfügen, grundsätzlich auf Deutsch kommunizieren, Medien in einer anderen Sprache – hier das Englische – rezipieren, wird in den Comics nicht weiter expliziert oder problematisiert. Für die muttersprachlichen, insbesondere die jüngeren Leser_innen werden, wie in Abbildung 1 zu sehen, relevante Passagen ins Deutsche übertragen. Die Texte haben also eine Übersetzungsfunktion. Hier wird die Differenz zwischen Englisch und Deutsch immerhin angedeutet. In Abbildung 2 gibt es sehr viel weniger englischsprachigen Text – lesbar ist letztlich nur die Überschrift. Die wiederum auf Deutsch verfasste Sprechblase greift die in der Zeitungsüberschrift formulierte Frage auf und führt sie inhaltlich aus. Fremdsprachige Textpassagen – also Verweise auf Medien oder auch Namen – besitzen somit die Aufgabe Authentizität zu vermitteln, da wie im konkreten Fall die Handlung in den USA spielt und dort natürlich englischsprachige Zeitungen gelesen werden.

Abb. 1 und 2: Englische Zeitungsüberschriften zur Vermittlung von Authentizität.

Ebenso wie in dieser bilingualen Szene, in der keine Verstehens- oder Verständigungsprobleme auftreten, bewegen sich die Helden des Mosaik auch in unterschiedlichen Sprachepochen. Daher fokussiere ich mich im Folgenden auf die Darstellung des Deutschen im Mosaik unter sprachgeschichtlichen Gesichtspunkten – wobei die Frage, wie Akteure, die verschiedenen (Sprach-)Epochen entstammen, miteinander kommunizieren, zu meiner zentralen Frage führt, wie historische ZeitRäume im Mosaik sprachlich repräsentiert und authentifiziert werden. Unter dem ›ZeitRaum‹ verstehe ich die gleichzeitige zeitliche und räumliche Verortung einer Handlung.

Im Gegensatz zur bildlichen Veranschaulichung von Geschichte steht eine intensivere Auseinandersetzung mit der sprachlichen Repräsentation von Geschichte im Comic nach meiner Beobachtung noch aus. Ebenso wie die Zeichnungen dazu beitragen, eine Handlung innerhalb einer bestimmten Zeit und eines spezifischen Raumes zu verorten, besitzt auch die Sprache das Potential, ein typisches Kolorit zu erzeugen und durch spezifische Klangfarben bzw. den Sprachgebrauch eine jeweils passende Atmosphäre zu erzeugen. Es ist davon auszugehen, dass in keinem Comic Sprechblasen zu finden sein werden, die bspw. vollständig ein bereinigtes Mittelhochdeutsch beinhalten. Welche Möglichkeiten nutzen die Comicautoren aber, um ZeitRäume ihren Leser_innen auch sprachlich zu veranschaulichen? Zur Beantwortung dieser Fragen werde ich nach einem Forschungsüberblick einen exemplarischen Geschichtscomic daraufhin untersuchen, wie sprachgeschichtliche Repräsentation erfolgt.

Forschungsüberblick

Der Umstand, dass in der Comicforschung die sprachliche Repräsentation von Geschichte bisher kaum betrachtet wird, ist sicher darauf zurückzuführen, dass für den Comic die Bild-Schrift-Kombination zwar konstitutiv ist (vgl. etwa Packard 2016, 61–62), die Bilder jedoch wesentlicher sind als die Sprache (vgl. Meskin, 370). In seiner 2008 erschienenen Dissertation Prinz Eisenherz oder: Das Mittelalter in der Sprechblase geht Mittler u.a. der Fragestellung nach, »inwieweit Ritter und ritterliche Lebensweise, Begriffe wie Ehre, Lehnswesen, Kreuzzugsgedanke sowie Mentalitäten und das Verhältnis sozialer Gruppen untereinander in den behandelten Comic-Strips dargestellt werden und inwieweit diese Darstellungen der historischen Faktizität und Authentizität entsprechen.« (Mittler, 20). Zwar stellt Mittler in seinen Vorüberlegungen einerseits die Frage, wie die Sprechblase ausgefüllt werde (ebd., 13) und andererseits auch fest, dass Comics eine »ureigene Kombination von Wort und Bild« (ebd., 16) seien – in seinen folgenden Analysen spielt die sprachliche Darstellung in den von ihm untersuchten Comics jedoch keine Rolle.

Ein ganz ähnliches Bild vermitteln auch neuere Arbeiten zu dieser Problemstellung. Im Rahmen seiner Beobachtungen zur Mittelalterrezeption in Comics zur Zeit des geteilten Deutschland weist Müller (94) zwar darauf hin, dass sich im Mosaik »eine, von fiktionalen Elementen durchsetzte, doppelte Genealogie in Bild und Text« zeige. Die Verbindungen zum Mittelhochdeutschen auf der sprachlichen Ebene sieht er etwa durch textliche Bezüge auf Wolframs Parcival oder die Georgslegende. Konkrete sprachliche Bezüge zeigt er nicht.

Gundermann geht in ihrem 2018 publizierten Aufsatz Inszenierte Vergangenheit der Frage nach, »wie Comicschaffende Geschichte im Comic inszenieren« (Gundermann, 257). Für sie stellt historische Authentizität im Comic etwas dar, »das nicht als Qualität eines (historischen) Objektes verstanden werden kann, sondern etwas gemachtes, inszeniertes, das in der Rezeption seine Wirkung entfaltet« (ebd., 258). Ob allerdings zur Inszenierung eines spezifischen historischen ZeitRaumes überhaupt auf die Sprache als Mittel der Gestaltung zurückgegriffen wird, bleibt nach den bisherigen Betrachtungen zu fragen. Ähnlich wie Mittler verweist Gundermann kaum auf sprachliche Möglichkeiten der Inszenierung. Nur in einzelnen der von ihr zusammengestellten sieben Modi Operandi wird auch die Sprache operationalisiert: So weist Gundermann zum einen auf die sog. »(Bildlichen) Vergangenheitsmarker« hin, zu denen sie insbesondere bekannte Persönlichkeiten, Bilder oder Fotografien rechnet. Weiterhin zählt sie auch »historische Signalwörter« (ebd., 263) wie »KZ« oder »Sonderkommando« hierzu. In einem weiteren ihrer Modi Operandi, dem »dokumentarischen ›Beweis‹«, verweist sie auf in Comics verwendete historische Quellen, wozu sie auch »verschiedenste Formen von Schriftstücken wie Briefe oder Akten« (ebd., 272) zählt. Die eingangs thematisierten Zeitungsabbildungen nehmen den Status dieser »dokumentarischen ›Beweise‹« ein. Die anderen fünf, von mir an dieser Stelle nicht weiter aufgefächerten Modi Operandi enthalten keine Verweise auf sprachliche Merkmale und zielen ausschließlich auf die illustrative Darstellung.

Sprachliches und visuelles Kolorit – Redundanz oder Ergänzung?

Wenn also auch – wie Schmitz-Emans (462) feststellt – in den letzten Jahrzehnten der »Weg für eine Betrachtung des Comics als ästhetische Darstellungsform gebahnt und die Frage nach der ›Sprache‹ des Comics nahegelegt« worden sei, stellt für die Comicforschung der Aspekt einer auch sprachgeschichtlich authentischen Inszenierung eines ZeitRaumes immer noch ein Forschungsdesiderat dar.4 Obwohl keine »völlig konsensuelle Definition des Comics« (Schmitz-Emans, 459) vorliege, erscheint doch das Mit- und Nebeneinander, die »Synthese« (Grünewald 2014, 45) von Schrift und Bild – die »Multicodalität« (Mälzer, 47) bzw. »Plurimedialität« (Schüwer, 318) – als spezifisch, womit der Comic als ›Intermedium‹ (Gundermann, 459) verortet werden kann. Somit beruht auch der Rezeptionsprozess »auf einer Integration von Bildwahrnehmung und Schriftlektüre« (Schüwer, 317). Schrift im Comic wird in der Forschung vor allem aus semiotischer Sicht betrachtet und als symbolisches Zeichen von den ikonischen Bildelementen unterschieden. Mälzer (52) weist als Entgegnung auf McClouds Klassifizierung von Bild-Text-Beziehungen (siehe McCloud, 78–82) explizit darauf hin, dass Ikon (Bild) und Symbol (Text) auf »unterschiedliche[ ] Art und Weise […] Bedeutung generieren«. Zwar spricht auch Mälzer (ebd.) in Bezug auf beide Zeichensysteme von »Teilredundanzen«; letztlich aber vermitteln Text und Bild – zumindest teilweise – unterschiedliche Informationen; sie »funktionieren im Comic als Ergänzung zueinander« (Dittmar, 98). Es existiert demnach eine »Wechselwirkung« (Balzer, 34). Doch auch Grünewald (2014, 40) beschränkt sich in seinen Beispielen für Zeichen, die »auf die Vergangenheit zielen«, auf visuelle Mittel wie Kleidung und Technik. Zudem verweist er auf »die Kraft der Bilder als universelle Sprache« (ebd.), denen er damit eine globalere Verständlichkeit zuspricht als den »nationalen Wortsprachen«. Gleichzeitig gibt er jedoch zu bedenken, dass auch Bilder »oft […] ein spezielles Kontextwissen [verlangen]« (ebd.) und es »höchst sinnvoll sein kann, Wort und Bild in der Bildgeschichte gemeinsam zu nutzen« (ebd., 44). Auch aus diesen Gründen sollte es m.E. nicht genügen, sich bei der Vermittlung historischen Kolorits nur auf die visuelle Ebene zu beschränken; die sprachliche Komponente ist ebenso zu berücksichtigen, zumal Dittmar – wenn auch eher allgemein – auf die Bedeutung und Funktion des Textes im Comic eingeht. Er weist darauf hin, dass für »Anspielungen oder Verweise auf die Zeit, den geografischen und sozialen Ort« beachtet werden müsse, »welche Sprache und Satzbaustrukturen verwendet werden, also wie im Kommentar und in den dargestellten Sprachäußerungen der Figuren geredet wird.« (Dittmar, 99) So verweist er auf Dialekte oder »Szenesprache« für eine mögliche Verortung der Figuren, wobei neben der varietätenlinguistischen Verortung unter historischem Gesichtspunkt die verschiedenen Sprachepochen zu ergänzen wären.

Korpus

Als Korpus meiner Beobachtungen lege ich eine Comiczeitschrift zugrunde, die von Gundermann (263) zu den Geschichtscomics gerechnet wird und gleichzeitig – so Müller (78) – eine »publizistische Legende« darstellt: die in der DDR gegründete und heute erfolgreichste in Deutschland produzierte Comiczeitschrift – das Mosaik.

Mit Sabine Fiedler kann man das Konzept der ab Januar 1976 erscheinenden Hefte folgendermaßen umreißen:

»Es sollten drei neue Kobolde sein, kühn, witzig, geheimnisvoll, mit Abenteuerlust und Charme, zu denen sich in den Geschichten verschiedene Spaßmacher gesellten, wie z.B. Harlekin oder Hans Wurst.« (Fiedler, 49)

Dieses Konzept wurde bis zur Mitte der 80er-Jahre beibehalten. Die drei Helden – die Abrafaxe – bewegen sich seit ihrem ersten Auftritt Mitte der 70er-Jahre nicht nur durch die Welt, sondern auch durch die Zeit. Zum ersten Mal begegnen sie den Leser_innen Mitte des 17. Jahrhunderts als Söldner in Dalmatien. Von dort bewegen sie sich quer durch Europa bis nach Spanien und von da an der nordafrikanischen Küste über Kleinasien, Indien bis nach China und Japan, wobei sie durch zwei Zeitsprünge bis ans Ende des 13. Jahrhunderts versetzt werden. In den folgenden Veröffentlichungsjahren nehmen die Zeit- und Raumsprünge zu und führen die Helden von einem Abenteuer zum nächsten. In den letzten Jahren erlebten sie ihre Abenteuer im Römischen Reich, in der Zeit Martin Luthers sowie dem Zeitalter der Hanse.

Der Erscheinungszeitraum des Mosaiks wird im Allgemeinen in zwei Phasen unterteilt, wobei die zweite Phase m.E. weiter zu untergliedern ist. Die erste Phase ist das durch den Mosaik-Begründer Hannes Hegen vom Dezember 1955 bis 1975 geleitete Heft. Mit einem Relaunch, der auf Grund von Auseinandersetzungen zwischen Hegen und dem Verlag Mitte der 70er-Jahre notwendig wurde und in dem die neuen Titelfiguren – die Abrafaxe – eingeführt wurden, beginnt im Januar 1976 die zweite Phase. Prägender Autor beider Phasen war Lothar Dräger. Dieser textete ab Heft 11 vom September 1957 bis zum Ende des Jahres 1990 für das Mosaik (siehe: Fiedler, 22; Kramer, 88–89; Lettkemann, 98); die Hefte seit 1991 werden vorwiegend von Jens-Uwe Schubert verfasst.5 Aus diesem Grund bietet sich die vorgeschlagene Differenzierung der zweiten Phase an, die diesen Einschnitt innerhalb der Autorschaft zu Beginn der 90er-Jahre berücksichtigt. Ich beschränke mich in meiner Untersuchung auf die zweite (inkl. der dritten) Phase – also auf die Jahrgänge seit 1976.

Ich gebe hier keinen vollständigen Überblick über die absolvierten Etappen der Comic-Handlung;6 ich weise ausschließlich auf die Serien hin, deren ZeitRäume für meine Fragestellung relevant sind: Zu den frühen Abenteuern zählt hier die Österreich-Ungarn-Serie, die u.a. im süddeutschen Sprachraum am Beginn des 18. Jahrhunderts (M 1/78–12/79) angesiedelt ist. Auf mehrere Abenteuer im nicht-europäischen Raum folgen gleich zwei Serien im mittelalterlichen Deutschland am Ende des 12. und am Ende des 13. Jahrhunderts (M 193–217 u. M 382–405). Die letzten Abenteuer spielten am Ende des Mittelalters im ostmitteldeutschen Sprachraum zur Zeit Luthers (M 483–506), im niederdeutschen Sprachraum zur Zeit der Hanse um 1400 (M 507–531) sowie (seit M 532) in der Südsee, einer Region, die um 1900 als »Schutzgebiet« des deutschen Kaiserreichs galt (siehe etwa Heine, 38–40 u. 94–140). Darüber hinaus spielen einzelne Folgen im deutschen Kaiserreich um 1900 (z.B. M 288).

Meines Erachtens eignet sich das Mosaik vor allem auf Grund seiner dramaturgischen Anlage als Untersuchungsgegenstand für meine Fragestellung. Insbesondere die Reisen der Protagonisten durch Raum und Zeit ermöglichen den Autoren unterschiedliche Epochen zu inszenieren. Das Mosaik zeichnet sich zudem dadurch aus, dass den Leser_innen auf den Mittelseiten der Hefte zusätzliche Informationen zu den Hintergründen der jeweiligen Geschichten und auftretenden historischen Personen gegeben werden (vgl. etwa Ahrens et al., 173). Das Mosaik betreibt also durchaus auch Wissensvermittlung. Da zur Zielgruppe primär jugendliche Leser_innen zählen, sind diese Informationen sowohl in Bezug auf die inhaltliche als auch die sprachliche Komplexität angepasst. In Heft 505 (Januar 2018) erfahren die Leser_innen etwa, dass die Bibelübersetzung Luthers (mit) dazu geführt habe, dass

»wir uns heute so gut in einer einzigen, einheitlichen deutschen Sprache verständigen können […]. Als er [Luther, A.H.] die Bibel, das wichtigste Buch seiner Zeit, ins Deutsche übersetzte, musste er festlegen, in welche der vielen möglichen Varianten er das tun sollte. Luther entschied sich für den Mittelweg und bastelte gewissermaßen aus allen möglichen Sprachvarianten, die er in Wittenberg und auf seinen Reisen kennengelernt hatte, eine neue, in ganz Deutschland gut verständliche Sprache zusammen. Grundlage hierfür war ihm die vielen Menschen geläufige sogenannte sächsische oder Meißner Kanzleisprache.[...]« (M 505, 20–21)

So weit, so richtig bzw. angemessen, bedenkt man die altersmäßige breite Streuung der Leserschaft. Sprachwissenschaftlich bzw. -historisch nicht mehr haltbar ist allerdings die abschließende Aussage: »Damit ist Martin Luther nicht nur der Auslöser der Reformation, sondern auch der Urvater der deutschen Standardsprache.« (ebd.) Diese Personifizierung von Geschichte bzw. Sprachgeschichte dürfte nicht zuletzt dem Serien-Protagonisten Luther geschuldet sein. Die Feststellung mag zwar in ihrer zugespitzten Formulierung gut zu merken sein, wissenschaftlich korrekt ist sie in dieser Form allerdings nicht. Gleichzeitig ist jedoch einschränkend anzumerken, dass an eine Comic-Zeitschrift selbstverständlich nicht der Anspruch absoluter wissenschaftlicher Korrektheit gestellt werden kann und soll. Denn obgleich die »Vermittlung von Sachinformationen« nicht primäres Ziel des Mosaik sei, gehe es »um nichts Geringeres als die ständige Erforschung und Entdeckung der Welt und unseres Lebens darin mit Hilfe unserer Geschichten«, so die Mosaik-Lektorin Maren Ahrens (172) in einem Interview.

Ohne die Rolle Luthers bei der Herausbildung der deutschen Standardsprache an dieser Stelle weiter ausdifferenzieren zu wollen, möchte ich allerdings auf den Umstand aufmerksam machen, dass sich die dialektale Vielfalt und sprachliche Heterogenität, die auf dieser Doppelseite zumindest angedeutet wird, im Heft selbst nicht widerspiegelt; hier herrscht eine einheitliche, neuhochdeutsch markierte Standardsprache. Die sprachgeschichtliche Entwicklung, wie sie auf den zusätzlichen Info-Seiten skizziert wird, wird in der Geschichte selbst ausgeblendet.

Im Folgenden möchte ich an vier Merkmalen aufzeigen, wie sprachgeschichtliche Epochen und Entwicklungen im Comic veranschaulicht werden können. Dabei werde ich zunächst auf die bereits angesprochenen Signalwörter nach Gundermann eingehen, bevor ich anschließend den Aspekt sprachlicher Stereotypisierung eingehender betrachte. Die Problematisierung regionalsprachlicher Markierungen und sprachlicher Anachronismen bilden die abschließenden Kapitel meiner Analyse. Konsequenzen aus den Beobachtungen reflektieren die Ergebnisse.

Signalwörter

Signalwörter gehören nach Gundermann (263) zu den »Vergangenheitsmarkern«. Sie sind mehr oder weniger allgemein bekannt und mit einem historischen Ereignis oder einer Epoche verknüpft und »evozieren gleichzeitig Authentizität, die dann vom bekannten historischen Ereignis auf die noch unbekannte erzählte Geschichte übertragen wird« (Gundermann, 263).

Die kursorische Lektüre einer am ausgehenden 13. Jahrhundert spielenden Epoche führt zu folgender exemplarischer Sammlung, die nicht auf Vollständigkeit angelegt ist. Sie veranschaulicht dennoch, welche Lebens- und Gesellschaftsbereiche die Signalwörter umfassen. In den Mittelalter-Folgen entstammen sie vor allem dem politisch-gesellschaftlichen Bereich, wie »Bader« (M 396, 39), »Burgvogt« (M 387, 12, 41), »Buhurt« (M 400, 35), »Tjost« (M 399, 42, 47; M 400, 35), »Herold« (M 399, 43), »Knappe« (M 399, 16), »Schultheiß« (M 387, 12; M 391, 47), »Allmende« (M 389, 10), »Lehen« (M 403, 35), »Vasall« (M 403, 39), »Zehnter« (M 389, 12). Weiterhin zählen zu den Signalwörtern die in der jeweiligen Zeit gültigen Münz- und Maßeinheiten wie der »Franken« (M 394, 38), »Gulden« (M 483, 6, 37; M 484, 18; M 519, 5), »Groschen« (M 387, 45; M 394, 38; M 483, 47; M 519, 5), »Kreuzer« (M 383, 36), »Taler« (M 387, 46–47; M 394, 38) oder das »Gran« (M 383, 48) und der »Scheffel« (M 483, 10). Ihre Verwendung erzeugt ein historisches sprachliches Kolorit.

Zu den Signalwörtern sind auch Verweise auf bzw. Nennungen von Städtenamen zu zählen, wenn die historische Form repräsentiert wird. Hier wird im Mosaik über mehrere Jahrzehnte und Serien betrachtet eher inkonsequent vorgegangen, was eine eindeutige Zuordnung erschwert. So wird in der am Ende des 13. Jahrhunderts spielenden Mittelalter-Serie zum »Stein der Weisen« in mehreren aufeinanderfolgenden Nummern in Sprechblasen stets die Stadt »Coellen« (M 389, 5, 7; M 391, 6, 13; M 392, 9, 12; M 393, 43, 50; M 394, 5, 13) erwähnt. In Abgrenzung hierzu gebraucht die historische Figur des Thomas v. Aquin als gelehrter Mönch die latinisierte Form »Colonia Agrippina« (M 194, 4, 50). In den Erzählertexten (M 392, 2–3, 10; M 393, 3) wird hingegen beständig »Köln« gebraucht.7 Der historische Zeitraum wird demzufolge sprachlich dadurch gestaltet, dass in den Sprechblasen die historische Benennung und in den Erzählertexten die moderne Form verwandt wird. In der zuletzt abgeschlossenen, um 1400 spielenden Serie zur Hanse wird hingegen sowohl in sämtlichen Sprechblasen als auch den Erzählertexten konsequent »Köln« verwendet (z.B. M 508, 36–37; M 520, 7). Eine Differenzierung erfolgt hier nicht. Städtenamen nehmen somit nur den Status eines Signalwortes ein, wenn ihre Schreibung dem Zeitraum entspricht, in dem die Handlung des Comics angesiedelt ist. Werden sie in der aktuell gültigen Schreibung realisiert, besitzen sie diesen Status nicht, da sie ihre Funktion als Vergangenheitsmarker verlieren.8

Mit Hilfe der Signalwörter kann also der Versuch unternommen werden, einen ZeitRaum zu evozieren, der über die rein bildliche Darstellung hinausgeht. Sie bieten somit eine Möglichkeit, sprachhistorisches Kolorit zu gestalten und hierdurch Authentizität zu vermitteln.

Sprachliche Stereotypisierung

Ähnlich wie die Signalwörter kann auch die Verwendung sprachlicher Stereotype dazu beitragen, einen Comic zeitgeschichtlich zu verorten. Stereotypisierungen und Rückgriffe auf bereits bestehende Stereotype sind ein Spezifikum des Comics, da dieser durch die »Reduktion auf wesentliche, charakterisierende Merkmale« (Horn, 246) geprägt ist. Insbesondere ökonomische Gründe sind für den Rückgriff auf Stereotype verantwortlich, wobei die aus der Verwendung stereotyper Darstellungen resultierenden Überzeichnungen oftmals für komische oder parodistische Zwecke genutzt werden. Sprachliche Stereotypisierung können sowohl an fiktiven als auch an Comicfiguren erfolgen, die auf historischen Persönlichkeiten beruhen.

Abb. 3: Wilhelm II. und Berlin um 1900 in nationalen und sprachlichen Stereotypen.

Abb. 4: Queen Victoria und London um 1900 in nationalen Stereotypen.

So werden in der Nr. 288, in der Berlin und London bzw. Wilhelm II. und Queen Victoria einander gegenübergestellt werden (M 288, 3/4; siehe Abb. 3 u. 4), gleich mehrere Stereotype aktualisiert (ausführlicher bei Heinz/Horn, 31/32): Neben dem in London fehlenden »Kaiserwetter« betonen die zusätzlich gebrauchten sprachlichen Stereotype die Differenzen zwischen den verschiedenen Nationen. Der militärisch-zackige Ton, in dem der Kaiser mit seinem Adjutanten kommuniziert, ruft das Stereotyp des militäraffinen Kaiserreichs auf. Das Wortspiel »Kaiserwetter« – »Donnerwetter« überreizt dieses Stereotyp beinahe; lenkt anderseits die Aufmerksamkeit der Leser_innen, die mit diesem Stereotyp nicht vertraut sind, erst darauf. Gleichzeitig erfolgen mit diesen Beispielen sowohl sprachliche Markierungen Wilhelms II. als auch der Epoche des Kaiserreichs.

Ein weiteres Beispiel für dieses Verfahren der Stereotypisierung ist Graf Benno der Sachse (siehe Horn, 250–251). Seine Herkunft lässt sich schnell bestimmen – nicht nur sein Beiname, auch sein Dialekt entlarven ihn. Deutlich zu erkennen ist die binnendeutsche Konsonantenschwächung, also die Ersetzung von Fortes (gespannte Konsonanten) durch Lenes (ungespannte Konsonanten) (siehe Abb. 5). Beispiele sind der »Gnechd«, die »Waggerbards« und »gwidd« (jeweils ohne Auslautverhärtung), der »Gaiser« oder der »dapfere Grieger« (M 199, 8 und öfter) oder wie in Abb. 5 »Idalien«, »Gampf« oder der »Babsd« (M 201, 15).

Abb. 5: Individualisierung durch sprachliche Stereotypisierung.

Der Ritter wird durch seine dialektale Markierung als Person einer bestimmten regionalen sowie zeitlichen Herkunft gekennzeichnet und erhält im Vergleich zu den anderen Figuren ein individuelles sprachliches Profil, welches ihn von den anderen unterscheidet.

Die Handlung ist um 1175, der Zeit Barbarossas, der auch selbst auftritt, verortet. Die Konsonantenschwächung ist typisch für den ostmitteldeutschen Sprachraum, in dem die Geschichte spielt. Allerdings finden sich keine weiteren Phänomene des Mittelhochdeutschen. Somit liegt dialektal gefärbtes Hochdeutsch vor. Es handelt sich in diesem Beispiel weniger um eine diachrone Markierung als vielmehr um eine diatopische. Die sprachliche Stereotypisierung ist letztlich nicht als Mittel einer primär sprachgeschichtlichen Markierung oder Verortung zu betrachten, sondern als individuelle Markierung einer Figur durch ein salientes Merkmal. Die verwendeten sprachlichen Markierungen sind dabei durchaus vielfältig. Während Kurfürst Ernst August von Braunschweig Calenberg (Kurhannover) wiederholt in Panels, in denen er Befehle oder Anweisungen erteilt, explizit seinen Rang als Kurfürst betont (M 413, 3, 36)9 und so auf ein historisches Ereignis – die Verleihung der Kurwürde – verweist, werden andere historische Figuren wie etwa Gottfried Wilhelm Leibniz (bspw. M 407, 9) oder Martin Luther (bspw. M 485, 50; M 487, 10, 35–36; M 503, 46, 48) durch überlieferte Zitate gekennzeichnet. Durch die wiederholte Verwendung dieser Markierungen erhalten sie ihre stereotypisierende Funktion und kennzeichnen und verorten die Figur.

Regionale Markierungen

Dialekte werden häufiger für sprachliche Markierungen verwandt. Häufig wird dazu auf Namen zurückgegriffen, die mehr oder weniger eindeutig einer bestimmten Region bzw. einem bestimmten Dialektraum zuzuordnen sind. In der Hanse-Serie verorten z.B. sowohl einzelne Vornamen wie »Hinricus« (M 507, 6), »Jost« (M 517, 45), »Tammo« (M 525, 5) oder »Peer« (M 525, 13) als auch Nachnamen wie »Veckinchusen« (M 507, 8) und »Durkop« (M 509, 49) ihre Träger im niederdeutschen Sprachraum – teilweise durch zusätzliche niederdeutsche Markierung wie ausgebliebene Diphthongierung oder nicht durchgeführte zweite Lautverschiebung.

Abb. 6: Dialektgebrauch zur regionalen Markierung.

Dialektgebrauch dient allerdings nicht nur zur Markierung einer bestimmten Region, sondern ebenso einer spezifischen Sprecherschicht – teilweise auch gekoppelt an Berufe. So weist etwa der Sprachgebrauch von Seeleuten (M 285, 7; 511, 44–46, vgl. Abb. 6) und Kneipenwirten (M 511, 47–48) niederdeutsche Merkmale auf. Diese dienen zur diastratischen bzw. sozialen Markierung – da das Bürgertum oder die Kaufleute etc. Hochdeutsch sprechen. Diese Untergliederung wird exemplarisch deutlich, wenn im Gegensatz zum ›einfachen‹ Seemann der Kapitän Hochdeutsch spricht (M 511, 49; M 512, 45; vgl. Abb. 7). Diese Trennung erfolgt jedoch nicht konsequent; so sprechen auch Tagelöhner im niederdeutschen Raum Hochdeutsch, welches insgesamt deutlich überwiegt. Insgesamt kann der Verwendung des Niederdeutschen somit keine sprachgeschichtliche Funktion im Mosaik zugesprochen werden.

Abb. 7: Dialektgebrauch zur sozialen Differenzierung.

Sprachliche Anachronismen

Als sprachliche Anachronismen verstehe ich im Kontext des Mosaik Ausdrücke, die von den zeitverorteten Figuren gebraucht werden, obwohl sie für den zeitlichen Rahmen, in dem die jeweilige Handlung angesiedelt ist, als untypisch oder inadäquat zu werten sind, weil sie sprachhistorisch zum Zeitpunkt der Handlung entweder bereits veraltet oder noch gar nicht im Gebrauch waren. Im Fall des Mosaik ist folgende Spezifizierung notwendig: Da die drei Protagonisten durch die Zeit reisen können, verwenden diese auch sprachhistorisch nicht adäquate Ausdrücke. Beschränkt man sich also auf die in ihrer Zeit verankerten Figuren, fallen zahlreiche sprachliche Anachronismen auf, wie am Beispiel der Reformationszeit deutlich wird: Da wird bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine »wilde Fete« (M 506, 48) gefeiert, während die »fete« doch erst im 18. Jh. aus dem Französischen ins Deutsche übernommen wird (https://www.dwds.de/wb/Fete). Ebenso hält die »Grauzone« (M 492, 41) als »Bereich, der juristisch nicht eindeutig geregelt ist« (https://www.dwds.de/wb/Grauzone) erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. Einzug in die deutsche Sprache. Die Phrase »der Zahn steht auf Dich« (487, 18) – der jugendsprachliche Ausdruck aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (vgl. Neuland, 104) ist inzwischen wieder veraltet (https://www.dwds.de/wb/Zahn) – erscheint für das 16. Jh. ebenfalls nicht angemessen, in dem man wohl auch noch nicht »verknallt« (M 502, 47) war (https://www.dwds.de/wb/verknallt).

Abb. 8: Sprachgebrauch zur Reformationszeit.

Jedoch kann das Sprachkolorit von Geschichtscomics auch zu überraschenden sprachhistorischen Erkenntnissen führen: Die Abbildung 8 ist durch die linke Sprechblase und den darin enthaltenen Verweis auf Martin Luther eindeutig in der Reformationszeit zu verorten. Allerdings könnte die rechte Sprechblase bei einigen Leser_innen zu einem sprachlichen Konflikt führen. Die Frage bzw. Aufforderung »Wir wollen jetzt nicht spitzfindig sein, ja?« scheint zunächst nämlich nicht der Reformationszeit zu entstammen. Erst durch die Folgefrage wird eine zeitliche Zuordnung sicherer: »Glaubt Ihr denn nicht an die Minne, Herr Ritter?« Ob »Ritter« und »Minne« von den Leser_innen jedoch im Sprachgebrauch des 16. Jahrhunderts verortet werden, scheint zumindest fraglich. Dennoch sind sowohl »Minne« als auch »spitzfündig« im Sprachgebrauch der Reformationszeit nachweisbar: Während »Minne« ab dem 16. Jh. eine Bedeutungsverschlechterung erfährt (https://www.dwds.de/wb/Minne), ist »spitzfündig« bereits für das 16. Jh. belegt (https://www.dwds.de/wb/spitzfindig). So bildet das Panel einen ZeitRaum ab, in dem die ursprüngliche Bedeutung des einen Wortes noch erhalten bleibt, während das andere bereits im Sprachgebrauch aktiv war. Ob der Autor dies bewusst und absichtlich so getextet hat, bleibt allerdings offen und zugleich zweitrangig. Letztlich hilft an dieser Stelle die von Grünewald (2014, 40) betonte „Kraft der Bilder“ – etwa die Kleidung –, um diesen Auszug im Zeitalter der Reformation zu verorten, was in dieser Symbiose nur der Comic zu leisten vermag.

(Didaktische) Konsequenzen

Trotz dieses sehr gelungenen Beispiels leitet sich aus den vorangegangenen Beobachtungen die Frage ab, ob ein angemessenes und auf den ersten Blick zu identifizierendes sprachliches Kolorit letztlich überhaupt eine Notwendigkeit für ein Geschichtscomic darstellt. Zum einen zielt ein Comic wie das Mosaik auf eine – auch altermäßig – breite Leserschaft. Die Texte müssen demnach auch für jüngere Leser_innen oder gar Leseanfänger_innen verständlich sein. Zum anderen ist es auch ein Merkmal des Comics, dass Sprache »extrem reduziert und vereinfacht [wird]« (Meurer, 141). Beachtenswert erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass das Merkmal der Abstraktion auf der sprachlichen Ebene in der Regel außer Acht gelassen wird. Ohne detailliert in die Diskussion um den von Packard (213, 19) so benannten »methodischen Zweifel« einzusteigen – also die »Frage nach der Annahme einer realistischeren Realität ›hinter‹ der Darstellung« (Wilde, 36) – möchte ich abschließend kurz hierauf eingehen. Häufig wird die Frage der Abstraktion an die bildliche Darstellung geknüpft (vgl. ebd., 34–38 oder McCloud, 59–61). Ebenso ist aber auch zu unterstellen, dass die sprachliche Darstellung nicht nur zur Abstraktion fähig, sondern diese ebenso konstitutiv ist wie die bildliche Abstraktion. Durch die »Leser_innen-Partizipation« (Wilde, 37) sowie die »dynamische Fusion« (Magnussen, 171) zwischen Bild und Text erscheint es hinreichend, durch die gezielte Verwendung einzelner Lexeme oder Phrasen ein historisches Kolorit zu erzeugen. Auch Dittmar (99) spezifiziert in seinen Ausführungen den Umfang der sprachlichen Mittel nicht weiter. Letztlich tragen aber bereits einzelne Wörter bzw. Phrasen zur sprachlichen Verortung einer Handlung im Comic bei.

Abb. 9: Redewendung als sprachlicher Anachronismus.

Bereits durch solch einzelne sprachliche Verweise ließen sich aus didaktischer Perspektive sprachhistorische und -kritische Reflexionen initiieren. Wenn etwa in Abbildung 9 – einem Panel aus der Luther-Serie – die Redewendung ›ich glaub, mich streift/rammt ein Bus‹ aktualisiert wird und dieselbe Figur in ihrer Denkblase sowohl die Bedeutung als auch damit die historische Unangemessenheit dieser Redewendung im Zeitalter der Reformation reflektiert, können diese sprachlichen Stolpersteine zum Anlass genommen werden, um ab der siebten oder achten Klasse im Deutschunterricht über die Entwicklung von Sprache nachzudenken. Der historische Comic bietet somit als »intermediäres Vehikel« (Meurer, 138) die Möglichkeit, sprachgeschichtliches Wissen zu vermitteln, wenn es als eine Variante historischer Inszenierung verwendet wird, zumal es als »Unterrichtsmittel zu Zwecken der Motivation, der Information, der kritischen Auseinandersetzung« gesehen wird, insbesondere durch die »inhaltliche Vielfalt und Anschaulichkeit« (Grünewald 2006, 61). Und selbst eine historisch unangemessene Verwendung wie in Abbildung 9 eignet sich durch ihre Befähigung zur Metareflexion dabei als initiierendes Moment, wodurch dem Comic weitere Potentiale für den schulischen Einsatz eröffnet werden.

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Bibliographie

  • Ahrens, Maren et al.: »Nicht nur ein gutes altes Ostprodukt!« Ein Gespräch mit der Lektorin Maren Ahrens über Wissensvermittlung in der Zeitschrift MOSAIK. In: Wissensvermittlung in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR. Themen, Formen, Strukturen, Illustrationen. Hg. v. Sebastian Schmideler. Göttingen: V&R unipress, 2017, S. 161–181.
  • Balzer, Jenz: Die Sprache des Comics. In: Auskunft 14.1 (1994), S. 33–47.
  • Dittmar, Jakob F.: Comic-Analyse. 2., überarb. Aufl. Konstanz: UVK Verlagsges., 2011 [2008].
  • Dräger, Lothar (1976–1990); Reuter, Jörg (1990ff.) (Künstl. Leiter); Dräger, Lothar; Schubert, Jens-Uwe et al. (W); Bülow, Niels; Fischer, Jens; Nitzsche, Ulrich; Schulze, Andreas; Pasda, Andreas et al. (P). Mosaik. Mit den Abrafaxen um die Welt. Berlin: Verlag Junge Welt 1976–1991; MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag 1991ff.
  • DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, <https://www.dwds.de/>, abgerufen am 21.10.2020.
  • Fiedler, Sabine: Sprachspiele im Comic. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. 2003.
  • Grünewald, Dietrich: Comic. In: Lexikon Deutschdidaktik, Bd. 1. Hg. v. Hans-Jürgen Kliewer u. Inge Pohl. Baltmannsweiler: Schneider, 2006, S. 61–65.
  • Grünewald, Dietrich: Die Kraft der narrativen Bilder. In: Bild ist Text ist Bild. Narration und Ästhetik in der Graphic Novel. Hg. v. Susanne Hochreiter u. Ursula Klingenböck. Bielefeld: transcript, 2014, S. 17–51.
  • Gundermann, Christine: Inszenierte Vergangenheit oder wie Geschichte im Comic gemacht wird. In: Ästhetik des Gemachten. Interdisziplinäre Beiträge zur Animations- und Comicforschung. Hg. v. Hans-Joachim Backe et al. Berlin, Boston: de Gruyter, 2018, S. 257–283.
  • Heine, Matthias: Letzter Schultag im Kaiser-Wilhelmsland. Wie der Erste Weltkrieg die deutsche Sprache für immer veränderte. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018.
  • Heinz, Tobias/Horn, Alexander: Nationale Stereotype in Wort und Bild. Multimediale Perspektiven. In: DaZ-Sekundarstufe 3.3 (2019), S. 29–32.
  • Horn, Alexander: Sprachliche und visuelle Stereotype im Comic. ReProduktion, Reflexion und (sprach-)didaktische Konsequenzen. In: Muttersprache 128.3 (2018), S. 244–256.
  • Kramer, Thomas: Micky, Marx und Manitu. Zeit- und Kulturgeschichte im Spiegel eines DDR-Comics. »Mosaik« als Fokus von Medienerlebnissen im NS und in der DDR. Berlin: Weidler, 2002.
  • Lettkemann, Gerd: 35 Jahre Mosaik, 35 Jahre Comics in der DDR. Ein Interview mit Lothar Dräger. In: Comic Jahrbuch 1990. Hamburg: Carlsen, 1990, S. 98–113.
  • Magnussen, Anne: Die Semiotik von C.S. Peirce als theoretisches Rahmenwerk für das Verstehen von Comics. In: Theorien des Comics. Ein Reader. Hg. v. Barbara Eder, Elisabeth Klar u. Ramón Reichert. Bielefeld: transcript, 2011, S. 171–185.
  • Mälzer, Nathalie: Taxonomien von Bild-Text-Beziehungen im Comic. In: Comics. Übersetzungen und Adaptionen. Hg. v. Nathalie Mälzer. Berlin: Frank & Timme, 2015, S. 47–63.
  • McCloud, Scott: Comics richtig lesen. Aus d. Amerik. v. Heinrich Anders. Hamburg: Carlsen, 2001 [1994].
  • Meskin, Aaron: Defining Comics? In: The Journal of Aesthetics an Art Criticism 65.4 (2007), S. 369–379.
  • Meurer, Birgit: Der Comic als intermediäres Vehikel im Deutschunterricht. In: Comics und Computerspiele im Deutschunterricht. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte. Hg. v. Roland Jost u. Axel Krommer. Baltmannsweiler: Schneider, 2011, S. 138–169.
  • Mittler, Hubert: Prinz Eisenherz oder: Das Mittelalter in der Sprechblase. Das Bild von Ritter und Rittertum zwischen 1000 und 1200 in ausgewählten historisierenden Comics. Frankfurt a.M. u.s.w.: Lang. 2008.
  • Müller, Felix Florian: Mediale Transformationen. Mittelalterrezeption in Comics zur Zeit des geteilten Deutschland. In: Mittelalterrezeption in der DDR-Literatur. Hg. v. Gesine Mierke u. Michael Ostheimer. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2015, S. 78–105.
  • Neuland, Eva: Jugendsprache. 2., überarb. u. erw. Aufl. Tübingen: A. Francke, 2018.
  • Packard, Stephan: Erzählen Comics? In: Erzählen im Comic. Beiträge zur Comicforschung. Hg. v. Otto Brunken und Felix Giesa. Essen u. Bochum: C.A. Bachmann, 2013, S. 17–32.
  • Packard, Stephan: Medium, Form, Erzählung? Zur problematischen Frage: »Was ist ein Comic?« In: Comics und Graphic Novels. Eine Einführung. Hg. v. Julia Abel u. Christian Klein. Stuttgart: J.B. Metzler, 2016, S. 56–73.
  • Schmitz-Emans, Monika: Comic. In: Handbuch Medien der Literatur. Hg. v. Natalie Binczek et al. Berlin, Boston: de Gruyter, 2013, S. 459–466.
  • Schüwer, Martin: Wie Comics erzählen. Grundriss einer intermedialen Erzähltheorie der grafischen Literatur. Trier: WVT, 2008.
  • Udolph, Jürgen: Der Ortsname Magdeburg. In: Schaufenster der Archäologie. Neues aus der archäologischen Forschung in Magdeburg. Magdeburg: o.V. 2005, S. 33–35.
  • Wilde, Lukas R. A.: Was unterscheiden Comic-›Medien‹? In: Closure. Kieler e-Journal für Comicforschung 1 (2014), S. 25–50. <http://www.closure.uni-kiel.de/closure1/wilde>. 21.10.2020.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 und 2: M 315, 5 u. M 316, 6.
  • Abb. 3: M 288, 3.
  • Abb. 4: M 288, 4.
  • Abb. 5: M 201, 15.
  • Abb. 6: M 511, 46.
  • Abb. 7: M 512, 45.
  • Abb. 8: M 502, 45.
  • Abb. 9: M 491, 49.

 

  • 1] Das Mosaik wird zitiert mit: M Heftnummer, Seitenzahl. Bis Dezember 1991 (Heft 192) erfolgte die Zählung der Hefte mit der Angabe Monat/Jahr; ab Januar 1992 wurde die ursprünglich geplante, ab dem 2. Jg. jedoch nicht realisierte fortlaufende Zählung wieder aufgenommen. In meinen Nachweisen orientiere ich mich an diesen unterschiedlichen Zählweisen.
  • 2] Auf ihren Reisen in andere Länder und Regionen begegnen die Abrafaxe auch arabischen (z.B. M 12/1976, 11), griechischen (z.B. M 4/1984, 9 od. M 478, 35) oder auch japanischen Schriftzeichen (z.B. M 328, 14–18). Diese Zeichen sind häufig Bestandteil der Panels, können aber auch in den Sprechblasen auftreten, wie bspw. die kyrillischen Schriftzeichen in M 516, 43.
  • 3] Ich danke dem MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag für die Bereitstellung des Bildmaterials.
  • 4] Die fehlende Auseinandersetzung innerhalb der Comicforschung mit dieser Fragestellung lässt noch keinen Rückschluss auf die Situation in den Comics selbst zu.
  • 5] Im Gegensatz zu Lothar Dräger ist Jens-Uwe Schubert nicht alleiniger Hauptautor; da es zwischen 1991 und 2004 mehrere Wechsel unter den Autoren gab. Seit Heft 344 zeichnet Schubert als alleiniger Autor verantwortlich; davor u.a. in Zusammenarbeit mit Walter Hackel, Jens Fischer und Hubertus Rufledt.
  • 6] Für einen vollständigen Überblick verweise ich auf die Homepage: https://www.abrafaxe.com/abrafaxe/die-abenteuer-der-abrafaxe Letzter Zugriff am 21. Oktober 2020.
  • 7] Eine Ausnahme bildet das Heft M 395, welches das letzte Heft der Mittelalter-Serie darstellt, in dem die Stadt Köln erwähnt wird. Hier wird sowohl in den Erzählertexten als auch den Sprechblasen »Köln« verwendet. Vermutlich liegt hier eine redaktionelle Unachtsamkeit vor.
  • 8] So wird in der Mittelalter-Serie neben »Coellen« etwa konsequent »Magdeburg« oder »Regensburg« gebraucht. Hier wird nicht auf die mittelalterlichen Formen zurückgegriffen. Vgl. etwa Udolph (2005).
  • 9] Ernst August wurde 1692 Kurfürst von »Kurhannover«.