#5 Cover-Artist: Kate Carruthers Thomas

Dr. Kate Carruthers Thomas ist Senior Research Fellow und Projektmanagerin f√ľr Geschlechtergleichstellung an der Birmingham City University, Gro√übritannien. Sie ist spezialisiert auf interdisziplin√§re Untersuchungen zu zeitgen√∂ssischer Hochschulbildung, Ungleichheiten und Gender und hat vor kurzem begonnen, das Potenzial einer grafischen Sozialwissenschaft (Carrigan 2017, Vigurs, Jones und Harris 2016, Priego 2016) als Forschungsinstrument und Medium zur Ver√∂ffentlichung ihrer Ergebnisse auszuloten.

Das Cover f√ľr diese CLOSURE-Ausgabe zum Sonderbereich ‚ÄļScheitern stammt aus einem l√§ngeren grafischen Essay mit dem Titel  My Brilliant Career? An Investigation , der die Ergebnisse eines qualitativen Forschungsprojektes mit dem Titel Gender(s) At Work (Carruthers Thomas 2018) pr√§sentiert. Das Projekt als Ganzes untersucht die Auswirkungen geschlechtsspezifischer, gelebter Erfahrungen im Arbeitsumfeld Hochschule und versucht, vorherrschende geschlechtsneutrale und lineare Karriereentw√ľrfe zu hinterfragen. Es verwendet die Geschlechter-Analyse als in der Universit√§t agierende ¬ĽGeographie der Macht¬ę (Massey 2005). In diesem Zusammenhang werden einerseits die Mitarbeiter_innen verortet sowie anderseits eingeschr√§nkt/gef√∂rdert wie diese sich selbst in Bezug auf ihre Karriere positionieren.

My Brilliant Career? An Investigantion verwendet ein gro√üformatiges Comic-Layout, um die Daten der Teilnehmenden im Rahmen der drei archetypischen Ph√§nomene zusammenzufassen, die h√§ufig Diskussionen √ľber Karrierehindernisse, Risiken, Einschr√§nkungen und Privilegien charakterisieren: die ‚ÄļGl√§serne Decke‚ÄĻ, die ‚ÄļGl√§serne Rolltreppe‚ÄĻ sowie die ‚ÄļGl√§serne Klippe‚ÄĻ (Bruckm√ľller, Ryan, Rink and Haslam 2014; Williams 2013; Ryan and Haslam 2005; Budig 2002). Das Cover zeigt eine √ľberarbeitete Version der ‚ÄļGl√§sernen Klippe‚ÄĻ, d. h.: ¬Ľein Ph√§nomen, bei dem Frauen und andere Minderheitengruppenmitglieder in riskanten und prek√§ren F√ľhrungsrollen √ľberrepr√§sentiert sind¬ę (Ryan und Haslam 2005, √ľbersetzt durch die Redaktion). Zu sehen ist eine Gesch√§ftsfrau, die allt√§gliche Dinge des Arbeitsplatzes tr√§gt ‚Äď Laptop, Wasserflasche und Telefon ‚Äď und kurz davor ist, von einer Klippe ins Nichts eines unbarmherzigen Abgrundes zu treten. Sie ist im Begriff zu ‚Äļscheitern‚ÄĻ. Das Warnschild ‚ÄļCape Expectation‚ÄĻ und die Art und Weise, wie das Wort FAILURE buchst√§blich in die Klippenwand eingebettet ist, unterstreichen die strukturellen Belastungen, Verwerfungen und Widerspr√ľche, die Frauen an oder nahe der ‚ÄļSpitze‚ÄĻ der Karriereleiter haben k√∂nnen: sie werden durchpatriarchale, sozialer und politische Strukturen im Arbeitsumfeld ‚Äļzum Scheitern gebracht‚ÄĻ.

Ihre eigene Forschung realisiert Kate zunehmend in Form von grafischen Arbeiten/Comics. Sie hat k√ľrzlich die Seite Getting Graphic‚Ķways of thinking ins Leben gerufen, die sich sowohl an ein studentisches Publikum wie auch an Interessenten aus dem professionellen Bereich richtet, und auf der die Anwendung grafischer/visueller Methoden in unterschiedlichen Bereichen erkundet werden kann. Dazu geh√∂ren u. a. die Rubriken The Accidental Cartoonist, eine Illustration √ľber die Leistungsf√§higkeit, den Genuss und die Praxis grafischer/visueller Methoden in der Forschung, und On The Page, ein partizipativer Workshop, in dem die Verwendung einfacher grafischer Methoden zur Arbeit mit Forschungsprozessen, Daten und abstraken?Ideen vorgestellt wird. My Brilliant Career? An Investigation ist √ľbrigens auch als mobile Ausstellung verf√ľgbar.

Als Autodidaktin und nach wie vor neu auf dem Gebiet des Comiczeichnens, sieht Kate Synergien zwischen ihrer Arbeit als Wissenschaftlerin und als K√ľnstlerin: In beiden sammelt, analysiert und verarbeitet/verwandelt sie Daten. Dabei hat sie festgestellt, dass der langwierige kreative Prozess die M√∂glichkeit bietet, Daten, Bedeutungen und Emotionen intensiv zu reflektieren. Comic-Zeichnen als, wie Sousanis es beschreibt, ¬Ľas a way of thinking¬ę (Hodler 2015).

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Bibliografie

  • Bruckm√ľller, S., Ryan, M. K., Rink, F. & Haslam, S. A.: Beyond the glass ceiling: The glass cliff and its lessons for organizational policy. In: Social Issues Policy Review 8 (2014), S. 202‚Äď232.
  • Budig, M.: Male Advantage and the Gender Composition of Jobs: Who Rides the Glass Escalator? In: Social Problems 49, No. 2 (2002), S. 258‚Äď277.
  • Carrigan, M.: What is Graphic Social Science? In: The Sociological Review <https://www.thesociologicalreview.com/blog/what-is-graphic-social-science.html>. 31.07.2017. Letzter Zugriff am 19.11.2018.
  • Massey, D.: For space. London: Sage, 2005.
  • Priego, E.: Comics as Research, Comics for Impact: The Case of ‚ÄļHigher Fees, Higher Debts‚ÄĻ. The In: Comics Grid: Journal of Comics Scholarship 6 <https://www.comicsgrid.com/articles/10.16995/cg.101/>, S. 16. 2016. Letzter Zugriff am 19.11.2018.
  • Ryan, M.K. & Haslam, S. A.: The Glass Cliff: Evidence that Women are Over-Represented in Precarious Leadership Positions. In: British Journal of Management, Vol. 16 (2005), S. 81‚Äď90.
  • Hodler, T.: Thinking Through Images: An Interview with Nick Sousanis. In: The Paris Review. <https://www.theparisreview.org/blog/2015/07/20/thinking-through-images-an-interview-with-nick-sousanis/>. 20.07.2015. Letzter Zugriff am 19.11.2018.
  • Vigurs, K., Jones, S. & Harris, D.: Higher Fees, Higher Debts: Greater Expectations of Graduate Futures? ‚Äď A Research-Informed Comic, Stoke-on-Trent: Staffordshire University, 2016.
  • Williams. M.: The Glass Escalator, Revisited. Gender Inequality in Neoliberal Times. In: Gender & Society Vol. 27. No.5 (2013), S. 609‚Äď629.